Einleitung

Einleitung zur Jüdischen Stadttour 2026

Ende des 16. Jahrhunderts kamen zuerst aus Spanien und Portugal jüdische Menschen (Sepharden), die vor der Inquisition flüchteten nach Hamburg, danach kamen aus Osteuropa jüdische Menschen (Ashkenasen), die vor den Pogromen* flohen. Diese Menschen wohnten in ihnen zugewiesenen Teilen der Hamburger Neustadt. Mit der Aufhebung der Torsperre 1860 (Dammtor, Millerntor) zog die wachsende Bevölkerung in die Gebiete außerhalb der Stadtbefestigung. Die gründerzeitlichen Stadtteile Harvestehude, Rotherbaum und das Karolinenviertel waren nicht weit von der Neustadt entfernt und gut zu erreichen und erlaubten den jüdischen Bürgern, zunächst weiterhin den Besuch der Synagogen und Schulen in der Neustadt.

Mit der rechtlichen Gleichstellung aufgrund der Hamburger Verfassungsänderung von 1862 war jüdischen Bürgern die öffentliche Religionsausübung und die freie Wohnortwahl erlaubt, so dass im Grindelviertel erstmals eine freistehende Synagoge, die Bornplatzsynagoge, entstand. Die wachsende Bevölkerung machte den Bau vieler Einrichtungen im Grindel notwendig, weil die bisherigen den Anforderungen nicht mehr gerecht wurden. Und es entstanden neue, wie die Israelitische Töchterschule in der Karolinenstraße (in der Nähe des Grindels).

Mit der Vertreibung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung im Nationalsozialismus wurden auch Bauten und Spuren jüdischen Lebens zerstört. Nach dem Krieg entwickelte sich das jüdische Leben langsam, mit der neu erbauten Synagoge in der Hohen Weide gab es einen ersten Ort. Erst ab den 1980er Jahren begann langsam ein Bewusstsein für eine Erinnerung an die Spuren jüdischen Lebens zu wachsen, z.B. für den Platz, an dem die Bornplatzsynagoge stand.

Im Jahr 2002 wurde das Gebäude der Talmud-Tora-Schule der jüdischen Gemeinde in Hamburg zurückgegeben und das Grundstück der Bornplatzsynagoge erst 2024, nachdem durch Bundesmittel Geld für den Neubau der Bornplatzsynagoge zur Verfügung gestellt wurde. Mit dem Joseph-Carlebach-Bildungszentrum und den Neubauplänen der Synagoge zentriert sich im Grindel wieder jüdisches Leben.

* Pogrom, der – der aus dem Russischen stammende Begriff beschreibt gewaltsame Übergriffe von Mitgliedern der Mehrheitsgesellschaft gegen nationale, religiöse oder ethnische Minderheiten, die vom Staat gebilligt oder geduldet werden.