12. Station: Der Eimsbüttler Turnverband (ETV)
Der ETV und seine Gedenkarbeit
Gegenüber der Synagoge, an der Ecke Hohe Weide/Bundesstraße grenzt das Gebäude des ETV mit seiner geschichtsträchtigen und irritierenden Fassade, in der Turnerhakenkreuze zu sehen sind. Der Verein hat seine Geschichte aufgearbeitet und dokumentiert.
Die „Turnerhakenkreuze“ an der Fassade der Großen Halle des ETV-Sportzentrums in der Bundesstraße waren Anlass für den Verein, sich mit seiner Geschichte zu befassen. Die Arbeit des Historikers Sven Fritz ist in dem 2010 erschienenen Buch: „<…daß der alte Geist im ETV noch lebt.> Der Eimsbütteler Turnverband von der Gründung bis in die Nachkriegszeit“, das vom Eimsbütteler Turnverband e.V. herausgegeben wurde, nachzulesen.
Dass „Turnerhakenkreuze“ wesentlich älter sind als die Hakenkreuze der deutschen Nationalsozialisten, ändert nichts an der Tatsache, dass sie Symbole der völkisch antisemitischen Turnbewegung waren und die Anbringung als politische Aussage zu verstehen war. Die Gründung des Vereins in einer nationalistisch orientierten Zeit war der Hintergrund dieser Haltung.
Für einen modernen Sportverein wie den ETV, mit einem demokratischen und pluralistischen Selbstverständnis; war die Auseinandersetzung und Konfrontation mit seiner Geschichte notwendig und selbstverständlich und wird durch das Buch von Sven Fritz, den Erklärungstafeln* und dem Denkmal für die ehemaligen jüdischen Mitglieder des Vereins dokumentiert.
Frank Fechner
Erster Vorsitzender des ETV
Seitenansicht ETV (Hohe Weide)
Turnerhakenkreuz 1910
*Text der Gedenktafel 1:
„Die Turnhalle des 1889 gegründeten Eimsbütteler Turnverbandes wurde von den Architekten Heinrich Stövhase und Otto Schwartz im Auftrag des damaligen Vorstandes und dessen Vorsitzenden Julius Sparbier gebaut und am 1. April 1910 eingeweiht. An Stelle dieser Tafel befand sich damals ein Nebeneingang. Rechts und links davon waren neben anderen Symbolen auch zwei sogenannte „Turnerkreuze“ angebracht worden. Diese kombinierten die Anfangsbuchstaben des von Friedrich Ludwig Jahn (1778 – 1852) stammenden Wahlspruchs der Turnerbewegung Frisch, Fromm, Fröhlich, Frei“ zur Grundform eines Hakenkreuzes.
Dieses auch als „Turnerhakenkreuz“ bezeichnete Symbol war seit 1889 das Verbandszeichen des österreichischen Deutschen Turnerbundes, einer völkisch-antisemitischen Abspaltung der Deutschen Turnerschaft. Das Turnerhakenkreuz war kein Nazisymbol, stand aber in einem eindeutigen politischen Zusammenhang. Als die NSDAP 1923 verboten wurde, tarnte sich die Hamburger SA als „Turnverein Blücher“ und wählte das Turnerhakenkreuz als ihr Vereinszeichen.“
Text Gedenktafel 2:
„Im September 1938 wurde die große Halle des ETV dem Turnbetrieb entzogen und im Rahmen der Kriegsvorbereitung als Getreidedepot verwendet. Im August 1940 erfolgte der Umbau zu einem Lager der „Deutschen Arbeitsfront“ und der für Militärbauten zuständigen „Organisation Todt“. In der kleinen Halle wurde weiter geturnt.
Bis November 1943 waren in der Bundesstraße 96 mindestens 2050 Arbeiter aus 23 Nationen untergebracht. Die größten Gruppen stellten Italiener (452), Holländer (388), Franzosen (370), Polen (247) und Dänen (205). Es waren sowohl Freiwillige aus verbündeten Staaten wie Italien als auch sogenannte Zivilarbeiter, die von den besetzten Ländern Westeuropas für den Arbeitseinsatz gestellt werden mussten. Die 247 Polen und 23 Arbeiter aus der Sowjetunion waren Zwangsarbeiter.
Über den Lebens- und Arbeitsalltag der Lagerinsassen ist bisher nichts bekannt. Für die meisten war die Turnhalle eine Durchgangsstation in andere Hamburger Lager: manche blieben nur wenige Tage, andere bis zu eineinhalb Jahren. Mindestens drei Arbeiter starben in dieser Zeit: die Franzosen François Autret (14.12.1942) und Jean Marie Saffray (1942/43) sowie der Däne Paul William Bach (24.3.1943).“
Wegweiser zur nächsten Station
Folge dem Grindelhof bis zum Kreisel – Arie-Goral-Platz und biege rechts in die Hartungsstraße ein. Die nächste Station befindet sich vor den Hamburger Kammerspielen.
