15. Station: Schanze, Falafel & Tattoos

Falafel & Tattoos

Schau Dich um! Was siehst du?

Verschiedene Restaurants und Imbisse aller Nationalitäten, aber auch mehrere Falafel-Läden. Falafel sind kleine frittierte Bällchen aus Kichererbsenmehl und genauso wie Hummus (Kicherbsenmus) typisch für die israelische aber auch für die arabische Küche.

Wir lieben Falafel! Womit wir allerdings mal aufräumen müssen, ist die Vorstellung vieler Menschen, dass alle Juden und Jüdinnen auch Israelis wären. Dies ist nicht so. Die jüdische Gemeinschaft in Hamburg setzt sich aus ganz vielen verschiedenen Herkunftsländern zusammen.

Und gerade nachdem die ehemalige Sowjetunion Anfang der 90er Jahre ihrer jüdische Bevölkerung die Ausreise erlaubt hatte, sind viele sogenannte Kontingentflüchtlinge auch nach Hamburg gekommen: mit russischen, ukrainischen oder moldawischen Wurzeln. In der jüdischen Gemeinde hört ihr also neben Deutsch und Hebräisch auch viel Russisch.

Wenn ihr mal Hummus oder Falafel selbst machen wollt, könnt ihr in der Materialsammlung die Rezepte herunterladen. Probiert es mal aus, es ist gar nicht so schwer!

Tattoo-Studios

Unterwegs hast du sicherlich viele Tattoo-Studios gesehen. Aber wie steht das Judentum zu Tätowierungen? Dürfen sich jüdische Menschen tätowieren lassen?

Tätowierungen sind im Judentum nach der Tora und dem Talmud verboten, da man nach der Religion seinen Körper nicht verletzen darf. „Und Verwundung wegen eines Verstorbenen sollt ihr an eurem Leib nicht geben, auch keine eingedrungene Schrift an euch machen.” (3. Buch Mose 19,28)

Rabbiner Bar Rav Nathan nennt zwei Gründe, weshalb die Tora die Tätowierung verbietet: Die Pflicht eines jeden Juden, körperlich unversehrt zu bleiben, und dass das Tätowieren als heidnischer Brauch angesehen wird.

Trotzdem lassen sich inzwischen viele Jüdinnen und Juden tätowieren. Sie sehen Tätowierungen nicht als Verletzung, sondern als Verschönerung an. Manche möchten mit ihren Motiven sogar den eigenen Glauben ehren.

Laut Statistik sind 25 Prozent aller Israelis tätowiert (Stand 2021). Der Künstler und Kunstprofessor Oz Almog hat die Evolution der Tattoo-Kultur in Israel erforscht. Er sagte in einem Interview mit der Tageszeitung „Haaretz”, dass die Popularität von Tattoos in den 1990er Jahren aus den USA nach Israel gekommen ist.

Tattoo

Laut Rabbiner Geballe und Rabbiner Bar Rav Nathan sind Tätowierungen aber kein Grund, nicht am religiösen jüdischen Leben teilzunehmen oder kein religiöses Begräbnis zu bekommen.

Das Tätowieren kam gegen Ende des 18. Jahrhunderts aus der Südpazifik nach Europa. Bis in das späte 19. Jahrhundert waren Tätowierungen unter Seefahrern beliebt. Die kulturelle Praxis und Körperkunst aus Polynesien wurde aber in Europa abgewertet und Menschen mit Tattoos als Kriminelle angesehen. Ab 1870 waren Tätowierungen unter Adeligen und vor allem unter europäischen Prinzen und Prinzessinnen beliebt. Seit den 1970ern haben vor allem Rockstars Tattoos popularisiert.

Zur Zeit des Nationalsozialismus wurden die jüdischen Insassen von Vernichtungslagern mit Nummern-Tattoos gekennzeichnet. Einige Shoah-Überlebende tragen ihre Tätowierungen wie eine „Art Mahnmal“ für künftige Generationen. Großer Streit und Diskussionen gibt es, wenn manche Kinder und Enkelkinder sich die KZ-Nummern von Familienangehörigen tätowieren lassen, um die Erinnerung an ihre Verwandten, ihr Leid und die schreckliche Geschichte am Leben zu erhalten.

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Wegweiser zur nächsten Station
Folge dem Grindelhof bis zum Kreisel – Arie-Goral-Platz und biege rechts in die Hartungsstraße ein. Die nächste Station befindet sich vor den Hamburger Kammerspielen.