4. Station: Ehemalige Jüdische Waisenhäuser im Grindel
Paulinenstift und Knabenwaisenhaus
Du stehst vor dem ehemaligen Paulinenstift (Waisenhaus für Mädchen).
Das Israelitische Mädchenwaisenhaus befand sich seit 1884 im Laufgraben 37. Das Paulinenstift wurde in der Neustadt gegründet. Das Gebäude im Laufgraben trug die Inschrift „Paulinenstift zum ehrenden Gedenken an Pauline Jaffé am 14. Juni errichtet. Ca. 20 bis 30 Mädchen haben in diesem Stift wohnen können, die alle die Israelitische Töchterschule in der Karolinenstraße besuchten.
An dem Gebäude, das heute ein Wohnhaus ist, erinnert eine Gedenktafel an das Paulinenstift.**
Waisenhaus für Knaben
Am Martin-Luther-King-Platz 3 befindet sich ein Feld mit vielen Stolpersteinen*. Hier stand das Knabenwaisenhaus, damals unter der Adresse Papendamm 3. Dieses 1883 hier eingeweihte Gebäude des „Vereins zur Versorgung der Waisen“ (gegründet 1766) hat das Waisenhaus in der Neustadt ersetzt. Vorsitzender des Vereins war zu der Zeit des Umzuges Moritz Warburg. Hinter dem Haus gab es einen Garten und eine Veranda, die jedes Jahr in eine Laubhütte verwandelt wurde. Der Mittelpunkt des Hauses war eine Synagoge mit 62 Männer- und 50 Frauenplätzen, die von den Stiftern des Hauses besucht wurden. Die „Zöglinge“ besuchten die Talmud-Tora-Schule im Grindelhof.
Im November 1941 mussten die Bewohnerinnen in das Knabenwaisenhaus am Papendamm umziehen. Das Gebäude des Paulinenstifts wurde zum Jüdischen Alten- und Pflegeheim. Ab Juli 1942 wurden die letzten Bewohner:innen deportiert.
Fußnoten:
„1953 ging ich das erste Mal wieder die Grindelallee entlang. Ich erinnere mich zuerst an das Café Timpe, dann an das Kino nebenan, die Kammer-Lichtspiele. An der Ecke war das frühere Wilhelm-Gymnasium. Jetzt ist es der Altbau der Universitätsbibliothek. In der Aula fanden Parteiversammlungen vor Wahlen, auch von jüdischen Parteien vor Gemeindewahlen, statt. Gegenüber in der Kellerkneipe „Schinkenburg“ residierte ein berüchtigter SA-Sturm, der den Grindel terrorisierte und auf Juden spätabends Jagd machte.“
„In dem bereits erwähnten „Israelitischen Familienblatt“ erschienen Ende der zwanziger und Anfang der dreißiger Jahre Berichte über antisemitische Vorfälle im Grindelviertel. Die Täter waren meistens SA-Schlägertrupps, deren Sturm in dem Kellerlokal „Schinkenkrug“ am Anfang der Grindelallee einquartiert war. Auch das Gemeindeblatt der damaligen Deutsch-Israelitischen Gemeinde berichtete von diesen Überfällen. In beiden Blättern wurde auch von wiederholten Schändungen des damals noch existierenden Grindelfriedhofs Rentzelstraße berichtet, der 1937 eingeebnet wurde.“
Quelle: Arie Goral-Sternheim: Heine, die Juden und die WELTBÜHNE einst im DURCHSCHNITT am GRINDEL, Hamburg 1988, S. 16 und S. 21.
** „Hier wurde am 4 Mai 1884 der Neubau des ehemaligen Israelitischen Mädchen-Waisenhauses Paulinenstift eingeweiht. 1857 war zu Ehren der Frau des Stifters Isaac J. Jaffé das Paulinenstift der Neustadt eröffnet worden. Die Waisen erhielten auch Kleidung and Pflege.
20 Mädchen des Paulinenstiftes wurden ab 1941 in Gettos und Konzentrationslager deportiert. Dann war das Haus jüdisches Alters- und Pflegeheim. 25 Erwachsene wurden 1942 und 1943 von hier in das Getto Theresienstadt deportiert.
Bezirksversammlung Eimsbüttel 1986“
Gebäude des ehemaligen Knabenwaisenhauses
Die Synagoge im Gebäude des ehemaligen Knabenwaisenhauses
Stolpersteine Waisenhäuser Papendamm 3 und Laufgraben 37
*Diese Stolpersteine werden geputzt, an einigen Orten werden Stolpersteine entfernt oder beschädigt. Antisemitismus hat heute wie in der Vergangenheit viele Erscheinungsformen:
Wegweiser zur nächsten Station
Wenn Sie die Gedenkstätte „Israelitische Töchterschule“ verlassen und sich nach links wenden, gehen Sie in Richtung des Hamburger Fernsehturms, der genauer gesagt „Heinrich-Hertz-Turm“ heißt.
