7. Station: „Bornplatz Synagoge“ heutiger Joseph-Carlebach-Platz
Die historische Bornplatz Synagoge und ihr Wiederaufbau
Mit dem Wachsen des gründerzeitlichen Grindelviertels, in das viele jüdische Menschen aus der Neustadt zogen, ermöglichte die Religionsfreiheit den Bau einer freistehenden Synagoge. Der Weg in die, in den Hinterhöfen stehenden Synagogen der Neustadt wurde damit für religiöse jüdische Menschen nicht mehr notwendig.
Auf dem Bornplatz (heute Joseph-Carlebach-Platz) entstand 1906 die Bornplatzsynagoge, entworfen von den Architekten Semmy Engel und Ernst Friedheim – ein monumentaler Bau, eine der größten Synagogen Nordeuropas. Im Gegensatz zu den Synagogen in der Hamburger Neustadt war diese weithin sichtbar und stand freistehend auf einem repräsentativen Platz.
Die Architektur verband eine vorwiegend neoromanische Formsprache mit Elementen des Historismus; der große Kuppelbau und die reich gestalteten Innenräume machten die Synagoge zu einem kulturellen und religiösen Mittelpunkt.
Dort wirkten die Oberrabbiner Dr. Marcus Hirsch, Dr. Samuel Spitzer und zuletzt eine herausragende jüdische Persönlichkeit seiner Zeit: Rabbiner Dr. Joseph Carlebach (1883 – 1942). Ab 1935 war er, bis zu seiner Deportation im Jahre 1941, Oberrabbiner an der Bornplatzsynagoge. Er wirkte nicht nur religiös, sondern als Leiter der daneben liegenden Talmud Tora Schule reformpädagogisch weit bildungspolitisch und gesellschaftlich über die Gemeinde hinaus.
Bei den Pogromen November 1938 wurde die Bornplatzsynagoge schwer verwüstet und geschändet. Die Innenausstattung wurde zerstört, wertvolle rituelle Gegenstände entweiht, zahlreiche Torarollen gingen verloren, wurden verbrannt oder geplündert. Eine kunstvoll gearbeitete Torakrone, die einst zu den kostbaren rituellen Objekten der Gemeinde gehörte und als verschwunden galt, wurde 2020 bei einem Antiquitätenhändler angeboten.
Ein Jahr nach der Schändung musste die Synagoge auf Kosten der jüdischen Gemeinde vollständig abgerissen werden, auf dem Gelände errichtete die Wehrmacht später einen Luftschutzbunker, der bis heute steht.
© Stiftung Historische Museen Hamburg
Museum für Hamburgische Geschichte
Nach dem Zweiten Weltkrieg begann die jüdische Gemeinde in Hamburg sich unter schwierigen Bedingungen neu zu formieren und feierte ihre ersten Gottesdienste nicht weit vom Bornplatz entfernt, im Oppenheimer Stift in der Kielortallee.
1960 wurde dann die Synagoge Hohe Weide eingeweiht, die bis heute die zentrale religiöse Stätte der Gemeinde darstellt.
Auf dem historischen Bornplatz wurde 1988 als Denkmal das Bodenmosaik von Margrit Kahl und Bernhard Hirche verlegt, das den Grundriss des Betsaals der zerstörten Bornplatzsynagoge nachzeichnet.
Archäologische Grabungen auf dem heutigen Joseph-Carlebach-Platz brachten bauliche Überreste der Synagoge ans Licht, die zeigen, wie prunkvoll das Gebäude gestaltet war: Glasscherben, Backsteine, Fliesen sowie Säulenelementen und Teile der Mikwe* wurden ans Licht gebracht.
2020 fand die Idee eines Wiederaufbaus der Bornplatzsynagoge politische und gesellschaftliche Unterstützung.
Die wieder aufgetauchte Torakrone soll künftig einen würdigen Platz in der neuen Bornplatzsynagoge erhalten und dort als sichtbares Zeugnis der unterbrochenen, aber nicht ausgelöschten Geschichte der Hamburger jüdischen Gemeinde wirken.
Der internationale Architekturwettbewerb für den Neubau im September 2025 wurde von zwei Architekturbüros aus Leipzig und Berlin gewonnen: der Entwurf lehnt sich stark an den historischen Synagogenbau an und bietet innen zeitgemäße und einladende Räume, die den Anforderungen der Gemeinde entsprechen. Zusammen mit den Gebäuden der Schule und der Gemeinde soll hier ein lebendiger offener Ort jüdischen Lebens – mit zwei modern gestalteten Betsälen, Bildungsräumen, Kulturangeboten und Bereichen für Begegnung, wie z.B. einem Café entstehen.
*Die Mikwe ist ein Tauchbad, dessen Wasser der Erlangung ritueller Reinheit durch Untertauchen dient.
Fotogalerie: Funde aus der Ausgrabung
Wegweiser zur nächsten Station
Folge dem Grindelhof bis zum Kreisel – Arie-Goral-Platz und biege rechts in die Hartungsstraße ein. Die nächste Station befindet sich vor den Hamburger Kammerspielen.
